It’s a read!!ing room Birthday Party . 15 Jahre read!!ing room

Es begann im Jahr 2002. Ein vollgeräumtes Souterrain stand schon einige Zeit lang leer. Man nahm es zunächst zur Kenntnis, ging öfters vorbei, schaute gelegentlich durch die schmutzigen Scheiben ins Innere. Irgendwann fiel die Entscheidung. „Ja, wir mieten das Ding…“  Nach einigen wenigen Handgriffen wurde der read!!ing room eröffnet. Zunächst als Provisorium – doch wie das in Wien so bei Provisorien gerne der Fall ist –  sind diese meist von Dauer und das ist auch gut so.

Fünfzehn Jahre nach einem memorablem Eröffnungsabend an dem Halloween, Weltspartag und read!ingroom-Baustellenfest auf einmal begangen wurden,  ist das Provisorische geblieben und wurde zum fixen Bestandteil der Wiener Literaturszene.

read!!ing room – Subkultur pur

Der kulturelle Nahversorger read!!ing room hat sich seinen subkulturellen Habitus jedoch beibehalten. Die Betreiber*innen, Gabriele Rökl und Thierry Elsen, sind daher ein wenig stolz,  wenn Besucher*innen verblüfft vernehmen, dass der read!!ing room bereits seit 15 Jahren funktioniert. Ein erstauntes „Was? Euch gibt es schon so lange?“ sei eines der schönsten Komplimente, das man bekommen könne und der verlässliche Indikator dafür, dass man noch nicht im Mainstream angekommen sei, so die beiden Organisator*innen weiter.

Dienstagsschreiber*innen

Auch das Programm im Oktober bestätigt diese Haltung. Die Dienstagsschreiber*innen sind mittlerweile eine Institution. Am jeweils zweiten und vierten Dienstag des Monats treffen sich Autor*innen, Newcomer*innen und Literaturbegeisterte zum gemeinsamen Schreiben – ohne  Kursgebühren oder Verpflichtungen. Im Unterschied zu organisierten Schreibwerkstätten oder -Kursen seien die „Dienstagsschreiber*innen“ sehr „offen organisiert“, so Rökl und Elsen. Die Moderation wechselt von Termin zu Termin, ebenso wie die Aufgabenstellungen. Mit Karin Gayer und Doro Pointer lesen am 19. Oktober auch zwei  Autor*innen, die regelmäßig an den Dienstagsschreiber*innen teilnehmen und auch bereits einige Lesungen im read!!ing room absolvierten.

Bildungsbeitrag zur Nationalratswahl

„Tito, die Piaffe und das Einhorn“ sei der read!!ing room „Bildungsbeitrag zur Nationalratswahl“. Im Zentrum von Christian Moser-Sollmanns Roman steht Christian Penk, genannt Tito, der als Politikberater seinen Lebensunterhalt bestreitet und der  „der einzige nur Halbverblödete in diesem Scheißladen“ ist. Kein Wunder, dass die Organisator*innen einer Buchpräsentation noch vor der Nationalratswahl zustimmten.

Vor einiger Zeit riefen Gabriele Rökl und Thierry Elsen den Dienstag zum „read!!ing room-Tag“ aus. Da der 15. Jahrestag just auf den Dienstag fällt kommt es am 31. Oktober zu einem ganz besonderen jour fixe. Ab 18.00 Uhr feiert der read!!ing room Geburtstag und lädt alle Freund*innen, Wegbegleiter*innen und Gäste ein mit zu feiern – mit Open Mic, Buchtausch und allem was dazu gehört. Das read!!ing room Team nimmt schon jetzt Anmeldung entgegen.

Tierisches, allzu Tierisches: Richard Weihs liest (und spielt).

Wir beginnen gleich mit einer Entschuldigung. An und für sich ist das ja das Ressort von Herbert W., aber diesmal fühlen wir uns gedrängt mit einem aufrichtigen „Mea Culpa, Mea Maxima Culpa“ die Review von „Richard Weihs liest“ zu beginnen. Und genau dort liegt der Hund begraben.  Aufmerksame Leser*innen unseres Programms beanstandeten  zurecht: „Da steht ja, dass der Weihs liest … wieso zeigt’s denn ein Bild mit einer Quetschen…“.

Richard Weihs beantwortete diese Reklamation mit Bravour und brachte kurzerhand die „Quetschen“ einfach mit. Und der begrabene Hund spielte in gewisser Weise auch eine literarische Rolle, denn die meisten Texte, die der Meister aus Mariahilf las und sang und spielte, handelten von jenen lieben Viecherln, die uns mehr oder weniger ans Herz gewachsen sind.

Hunde, Katzen, Leguane, Fledermäuse und andere Haustiere

Nun denn… vom begrabenen Hund ist es sprichwörtlich nicht so weit bis zur „Krot“ (hochdeutsch: die Kröte), die dann hin und wieder auch gefressen wird  – oder werden muss. Richard Weihs erläuterte den Ursprung der Redewendung „die Krot fressen“ mit einer ganz eigenen Geschichte. Volksetymologie ist doch meistens etwas Wunderbares. Der gelungene Ausflug wurde nahtlos fortgesetzt. Ausflüge ins Wienerische – und zwar ins tiefste und dreckige Wien mit entsprechendem Lokalkolorit in der Stimme – wechselten sich mit Satirischem ab. Richard Weihs bewies dabei auch seine parodistischen Qualitäten, indem er einen Text im André-Heller-Ton vortrug.  Er wechselte nahtlos vom nasalen Ton Hellers ins Nuscheln eines Hans Moser. Selbstredend wurde aus der „Blattlaus“ eine „Filzlaus“. Weiter ging es im breiten Wiener Dialekt. Danach kredenzte er im reinsten Hochdeutsch die erotische Ausstrahlung von Küchengeräten (siehe Video). Richard Weihs las etliche Texte aus „Kleine Freiheiten“, das bereits 2010 im arovell-Verlag erschienen war und besprach alles was vier bis sechs Beine oder Flügel hatte. Es war ein schöner Reigen an Katzen, Hunden, Leguanen und Fledermäusen, den Richard Weihs mit Quetsche, Maultrommel oder Fußgestampfe aufführte. Man kam sich ein wenig vor wie in einem Schönbrunner Kuriositätenkabinett mit Streichelzooeffekt.

EM-Euphorie auch im read!!ing room

Richard Weihs war so freundlich seine Lesung mit dem parallel laufenden Spiel der österreichischen Fußballnationalfrauschaft abzustimmen. Das Elfmeterschießen gegen Dänemark wurde dann bei einem kalten Getränk via Handys und Tablets in der Pause verfolgt. Das Ausscheiden der Frauen sorgte nur für einen kurzen Dämpfer, da Richard Weihs es meisterhaft verstand das Publikum mit seinen Gedichten, Texten und Liedern zurück ins Boot zu holen.

Richard Weihs liest

Ein kurzer Take-Out aus Richard Weihs Lesung. Für alle Küchengerätefetischist*innen und alle jene, die eine "Schweinerei" mögen.

Posted by read!!ing room – Verein zur Förderung von Alltagskultur on Samstag, 5. August 2017

„Summa in da Stadt 2017“: Patricia Brooks liest

Patricia Brooks präsentierte ihren neuen Roman „Der Flügelschlag einer Möwe“ im read!!ing room.  Der Schauplatz der Handlung: Triest.  Auf einer Baustelle im Triestiner Karst hebt der Baggerfahrer Milo ein Skelett aus, das bereits fast 40 Jahre in der Erde lag. Die Spur führt in die Vergangenheit zu einer Gruppe junger Menschen aus Wien, die in den 80er Jahren ihren Post-Matura-Urlaub hier verbringen.

Die jungen Menschen geraten während ihrer Reise in allerlei Verwicklungen.  Ein Mord passiert an einer Tankstelle. Eine Maturareisende ist unmittelbare Zeugin, zwei weitere der frisch gebackenen Maturanten finden die Leiche… Patricia Brooks wählt diesen Cold-Case als Ausgangspunkt für ihren Roman. Die Leiche wird im Jahr 2018 gefunden. Von diesem Ereignis aus präsentiert die Autorin die Entwicklung  jener Personen, die mittelbar oder unmittelbar in den Mord verwickelt wurden. Nach dem Mord ändert sich das Leben der meisten Maturareisenden radikal. Das Spannende: Einige Figuren wissen nicht einmal, dass dieser Mord ein „Point of no return“ für Ihre persönliche Entwicklung ist und war – und so erklärt sich auch der Titel: Ein singuläres Ereignis kann riesige und weitreichende Auswirkungen haben – wie ein Flügelschlag eben.

Das Tolle an diesem Roman ist sicherlich, dass die Frage: „Wer war der Täter…?“ nicht unbedingt im Zentrum der Handlung steht. Brooks interessiert sich vielmehr für die Entwicklungen ihrer Figuren. Einige begleiten den Leser oder die Leserin nur ein Stück des Weges, andere tauchen immer wieder auf.

Brooks las im read!!ing room zwei Auszüge, die die zeitlichen Eckpunkte der Handlung ausmachen: Der Leichenfund 2018 und die Maturareise Anfang der 80er Jahre.


Gewinnspiel:

Allen Leser/innen, die mehr über das Buch wissen wollen, empfehlen wir die Rezension von Sabine Schuster. Wenn Sie das Buch von Patricia Books haben wollen, nehmen Sie doch einfach an unserem kleinen Gewinnspiel teil. Beantworten Sie folgende Frage UND liken Sie uns parallel auf Facebook. Unter allen richtigen Antworten / Likes wird das Buch verlost. Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme. Der Rechtsweg ist natürlich ausgeschlossen… Hier geht es zu unserer Facebook-Seite.

Beantworten Sie folgende Frage und liken Sie uns auf Facebook

Gewinnfrage
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Patricia Brooks: Der Flügelschlag einer Möwe.

Verlag Wortreich, Wien

Hardcover – EURO 19,90
ISBN 978-3-903091-27-6
320 Seiten, Roman
VÖ 5.5.2017

eBook – EURO 9,99 – erhältlich auf allen Plattformen
ISBN 978-3-903091-36-8
320 Seiten, Roman

Die Vorleser/innen: Malerei trifft Literatur

Download: Die Einleitung: „Phantastische Literatur“. Ein Abend mit Gustav Meyrink, Alfred Kubin und Franz Sedlacek“ als PDF


Unsere Reihe „Die Vorleser/innen“ dient dazu Literatur aus längst vergangenen Tagen vorzustellen. Für diese besondere Ausgabe stellte der Mödlinger Schriftsteller Peter Miniböck – übrigens eine Premiere –  eigens eine wunderbare Auswahl an phantastischen Texten zusammen. Gustav Meyrinks „Dr. Haselmayers grüner Kakadu“, Alfred Kubins „Die andere Seite“ und Franz Sedlaceks „Die Stadt“ verschmolzen zu einer eigenständigen Lesung. Miniböck verwob ausgesuchte Textstellen aus allen drei Werken und kombinierte über Metaphern und inhaltliche Stränge die Texte. Die Hauptmetaphern – Vögel, Zugfahrt und Stadt  – sorgten für einen weitgehend homogenen Text. Für die Lesung konnten Tom Burger, Horst Dinges und Bettina Gmoser gewonnen werden.

Neben den rein innertextlichen Verbindungen gab es auch äußere, vor allem biografische Merkmale, die diese Vorgehensweise geradezu herausforderten. Gustav Meyrinks Text aus dem Jahre 1928 („Dr. Haselmayer…“)  geht direkt auf ein Bild von Franz Sedlacek zurück. Franz Sedlacek, Chemiker und Maler in Wien, der bereits zu Lebzeiten einige internationale Bedeutung erlangte, malte 1926 das Bild „Die Bibliothek“, das Gustav Meyrink direkt inspirierte. Sedlaceks Bilder wurden wiederum von Texten von Gustav Meyrink inspiriert. Alfred Kubin und Gustav Meyrink verband eine Freundschaft seit dem Jahr 1905. Meyrinks Arbeit an „Der Golem“ inspirierte Alfred Kubin zu „Die andere Seite“, die wiederum Einfluss auf „Der Golem“ hatte. Kubins Buch erschien 1909, während „Der Golem“ erst 1915 erschien. Und auch Kubin und Sedlacek kannten sich. Beide waren Mitglieder der Künstlervereinigung MAERZ und veröffentlichten im „Simplicissismus.“

Texte voller Herausforderungen

Vor allem die Lektüre von „Die Stadt“ stellte eine besondere Herausforderung dar. Sedlaceks Romanfragment, das erst aus dem Nachlass veröffentlicht wurde, folgt dem Prinzip „Bilder einer Ausstellung“. Die Geschichte ist fast ohne Höhepunkte und dient als Brücke zwischen den einzelnen Bildbeschreibungen – was den Vortrag umso herausfordernder machte. Auch Kubin Werk „Die Stadt“ war nicht ohne, da sehr viele Stimmungen des Ich-Erzählers aufeinander prallten. Während Meyrink eine sehr präzise Sprache nutzte und doch eine sehr phantastische Geschichte erzählte, ging es bei Kubin und Sedlacek weitaus „expressionistischer“ zu. Langer Rede kurzer Sinn: Die von Peter Miniböck zusammen gestellte Trilogie, war eine Herausforderung für die „Vorleser/innen“ und ein Gewinn für alle.

Rückblick: Phantastische Literatur

Eine phantastische Reise in die Literatur des 20. Jahrhunderts. Texte von Franz Sedlacek, Alfred Kubin und Gustav Meyrink gelesen von Horst Dinges, Bettina Gmoser und Tom Burger. Arrangement der Texte: Peter Miniböck

Posted by read!!ing room – Verein zur Förderung von Alltagskultur on Samstag, 10. Juni 2017

https://www.facebook.com//videos/1609710192397103/

Poetenautomat, Intertextualität, Copy&Paste: Die „Lange Nacht der Philosophie“ im read!!ing room

Klein und Neubauer

Ausgangspunkt des Vortrages von Simone Klein und Karl Neubauer war der Poesieautomat von Hans Magnus Enzensberger. Der Poesieautomat steht im Literaturmuseum in Marbach und erzeugt auf Knopfdruck ein Gedicht: Aus einem Wortschatz von gerade einmal 400 Wörtern seien 10 hoch 36 unterschiedliche Gedichte möglich.  Der 1974 von Enzensberger verfasste Essay zum Thema war der ideale Ausgangspunkt für den diesjährigen Beitrag des gemischten Doppels Klein und Neubauer im Rahmen der „Lange Nacht der Philosophie“, die jährlich in Wien stattfindet und von der „Gesellschaft für angewandte Philosophie“ veranstaltet wird.

Wozu dient ein solcher Automat?  Welche Ambitionen kann ein Dichter oder eine Dichterin haben, sich quasi selbst abzuschaffen? Enzensberger sah sein Experiment als Spiel – ohne jeweils daran zu denken, das Ding wirklich zu bauen. 2000 wurde der Automat dann schlussendlich gebaut. Aus einem Gedankenexperiment wurde Realität.

Automatisierung und Sprache

Über Enzensberger hinaus gedacht, ist die Frage nach der allgemeinen Automatisierung eine der brennendsten Fragen unserer Zeit. Die Entwicklung immer neuer Technologien, die uns das Leben vereinfachen sollen und uns gleichzeitig weiter in die Abhängigkeit treiben, ist evident. Die Dialektik aus Bequemlichkeit und Abhängigkeit ist allgegenwärtig.

Klein und Neubauer  zeigten  anhand des allseits beliebten Smartphones, dass sich die Technik nicht immer an die Wünsche und Unzulänglichkeiten des Menschen anpasst. Gerade die Eingabe per Stylus-Stift oder per „Daumenkino“ über eine virtuelle Tastatur ist angesichts der Errgungenschaften der Schreibtechnik (Schreibmaschine, ausgefeilte EDV-Programme) eigentlich ein Rückschritt. Die technischen „Errungenschaften“ des Smartphones führen dazu, dass die Sprache an die Technik angepasst wird und nicht die Technik an die Sprache: Emojis und Kurzzeichensprache seien ein beredter Ausdruck dafür, dass Menschen bereit sind, sich an die Technik anzupassen oder sich ihr zu unterwerfen. Die automatische Textkorrektur sei ein weiteres Beispiel, wie sich der Sprachgestus und die Sprachproduktion durch die Technik veränderten.

„Bau dir deinen eigenen Poetenautomaten…“

Da das spielerische und dialogische Prinzip wichtige Ingredenzien der Ausführungen von Klein und Neubauer sind, erarbeiteten die beiden ihren ganz eigenen Poetenautomaten. Auf Basis der Programmiersprache Python und des „Natural Language Toolkits“ ist es möglich einen digitalen Textkorpus auf Konkordanzen zu untersuchen. Konkordanzen sind alphabetisch geordnete Listen von wichtigen Schlüsselbegriffen, Wörtern und Phrasen, die in einem schriftlichen Werk verwendet werden. Wenn man also  auf Basis des Reimschemas eines Sonettes das Werk von Shakespeare oder Nietzsche nach Konkordanzen absucht, lassen sich neue Sonette oder Texte bauen. Auch lassen sich Rosa Mayreder und Friedrich Nietzsche aufgrund ihrer bereits publizierten Texte in einen Dialog bringen.

Klein und Neubauer bauten also ihre Version eines Poetenautomaten und remixten Texte. Aber wozu dies alles? Wenn alle alles remixen, kombinieren und neu zusammenstellen können – wenn also die Intertextualität als Prinzip von Neuschaffungen dient – ist das Ergebnis dann noch Kunst, sprich ein Akt einer singularen Schaffung, die bestenfalls zu einem mehrdeutigen Ergebnis führt? Oder wird das Kunstwerk vom Schaffensprozess komplett losgelöst? Klein und Neubauer stellten also explizit die Frage nach Originalität versus Originellität ebenso wie die Frage nach der Autor/innenschaft im Zeitalter von Copy & Paste. Ferner befragten die beiden das Kunstwerk im Zeitalter der seriellen „PRO“duktion und stellten die Theorie des „Selbstmords des Autors“ durch die Anwendung von literarischen Techniken, die Texte ohne jeglichen Sinn produzieren (siehe DADA, Collagen von Herta Müller) in den Raum.

Eine Tour d’horizon: Dekonstruktivismus und konkrete Poesie

Die Tour d’horizon des philosophischen Abends streifte die Dekonstruktivisten, die „Konkrete Poesie“ und insbesondere Ernst Jandls Gedicht „Ein Gleiches“, das ein extremer Fall von Intertextualität ist. Böse Zungen würden von Copy and Paste bei Goethe sprechen. Dann streiften Klein und Neubauer das Thema der Reduktion und galoppierten schnurstracks zur wichtigsten Frage der Philosophie: „Was macht den Menschen aus?“ Eine mögliche Antwort wurde im Schlusssatz angerissen…

„In diesem Sinne hoffen wir, dass sich doch immer wieder Einige finden werden, die nicht müde werden, denkend zu dichten und dichtend zu denken und dass die Menschheit wieder zur wahrhaften Poesie und poetischen Sprache zurückfinden möge, die der Philosoph und Schriftsteller Johann Georg Hamann (…) vor 250 Jahren so trefflich als „die Muttersprache des menschlichen Geschlechts” bezeichnet hat.“

Buchpräsentation: Das Bukranion – eine Niederschrift

„Was lange währt, wird endlich gut!“ Dieser etwas abgelutschte Spruch war  das inoffzielle Motto des Abends.  Das neue Buch von Peter Miniböck trägt den Titel „Das Bukranion“ und erschien im Herbst 2016. Daher freute sich der read!!ing room umso mehr, die Möglichkeit zu haben, das schmucke Werk aus dem Hause „edition libica“ zu präsentieren. Dem festlichen Anlass entsprechend, wurde „Das Bukranion“ vom Autor selbst und der Verlegerin des Buches, Simone Stefanie Klein, präsentiert.

„Was lange währt, wird endlich gut“, gilt insbesondere für das titelgebende Motiv „Das Bukranion“. Das Sujet oder Motiv, das Miniböck für sein neuestes Werk aufgriff, existierte bereits im alten Mesopotamien. Die Abbildung eines Rinderschädels oder Ochsenkopfes mit langen Hörnern wanderte dann ins alte Griechenland und wurde – wie so vieles andere – vom römischen Imperium übernommen. Mit dem Ende Roms verschwand das Bukranion, das sehr oft als Malerei und/oder Fresko in Form einer Girlande von unterschiedlichen Rinderschädeln aufschien. Mit der Renaissance kam der dekorative Ochsenkopf wieder en vogue. Peter Miniböck beschied dem Motiv eine weitere Renaissance.

Eine Reise

„Das Bukranion“ ist in Peter Miniböcks Werk nicht nur eine Metapher, die unterschiedlich befüllt wird, sondern auch der Ausgangspunkt für eine Reise. Durch den Aufbau des Buches in zwei Stränge (Protokolle und Niederschriften) ist man schnell verleitet, das Werk als eine Art kunstvoll gestaltete, archäologische Schnitzeljagd zu etikettieren.

Leser/innen, die sich mit dieser Sichtweise zufrieden geben, werden „Das Bukranion. Eine Niederschrift“ enttäuscht sein. Die Verlegerin des Buches spricht auf der Verlagswebsite von „einer poetischen Gemäldegalerie“, gleichsam von den „Bildern einer Ausstellung“. Ich würde eher von einer Ausstellung von Bildern in Bezug auf „Das Bukranion“ sprechen. Die Beziehungen zur Musik (betreffend Komposition und Aufbau) sind bei Miniböck – nicht nur in „Das Bukranion“ allgegenwärtig … und so ist der Bezug zu Mussorgsky durchaus stimmig.

Um beim Bild zu bleiben: Peter Miniböck eröffnete seinen Vortrag mit einem Zitat aus Robert Musils „Mann ohne Eigenschaften“ und führte gemeinsam mit Simone Klein durch eine Ausstellung seiner Lieblingsbilder mit den Mitteln der Sprache. Der Autor exponiert seine Lieblingssujets – so wie auch in anderen Büchern: Die Stadt, die Katakomben, die Tänzerin etc. Doch Vorsicht: Die Bilder, die der Autor entwirft, sind keine lieblichen Idyllen voll Sonnenschein und Frühlingszauber, sondern die Eingeweide einer nicht näher definierten Stadt. Fantastisches vermischt sich mit Dokumentarischem, Kafkaeskes mit Musilschem. Die Elemente wechseln sich ab und werden palimpsestartig über einen neuen postmodernen Leisten gezogen.

Leser/innen, die sich das Buch aneignen wollen, sei geraten die Lektüre wie einen Spaziergang durch eine Ausstellung zu verstehen: „Das Bukranion“, das im Übrigen hervorragend von Simone Klein ausgestattet wurde, will betrachtet werden (nicht nur von außen) und es will erobert werden. Ganz wie in einer Ausstellung bewegt man sich mal schneller, mal langsamer durch die Räume bis man ergriffen vor einem Bild stehen bleibt…

Buchpräsentation: "Das Bukranion. Eine Niederschrift"

Buchpräsentation: "Das Bukranion. Eine Niederschrift" erschienen in der "edition libica" 2016. Ein wunderschönes Buch in Gestaltung und Inhalt.

Posted by read!!ing room – Verein zur Förderung von Alltagskultur on Samstag, 20. Mai 2017

„Das Bukranion“

edition libica, Wien
ISBN 978-3-903137-04-2
92 Seiten | 14 × 21 cm
Hardcover | Fadenbindung
€ 18,70

Dienstagsschreiber/innen Preislesen

Posted by read!!ing room – Verein zur Förderung von Alltagskultur on Sonntag, 14. Mai 2017

Für alle Dienstagsschreiber/innen und jene, die es noch werden wollen. Der read!!ing room organisiert am 04. Juli. (Start 18:30 Uhr) das große …

„Dienstagsschreiber/innen-Preislesen“

Die Teilnahme-Voraussetzungen:
mindestens ein Besuch an einem regulären Abend der Dienstagsschreiber/innen – vorzugsweise ist der zu lesende Text in Auszügen bei den Dienstagsschreiber/innen entstanden.

Spielregeln:

  • 5 Euro UKB pro Teilnehmer/in (Der UKB wandert in den Topf.) Jede/r Teilnehmer/in darf einen Text lesen.
  • Die Lesereihung erfolgt nach der jeweiligen Anmeldung.
  • Die Lesedauer wird 5 Minuten nicht überschreiten – kürzer darf er natürlich sein (die Moderation wird diesbezüglich unerbittlich sein!!).

Bewertet wird durch das Publikum und die anderen Autor/innen. Drei Texte werden bewertet (die eigenen ausgeschlossen). Wir prämieren die drei ersten Plätze. Der „Topf“ wird vom read!!ing room „aufgerundet“. Ausschüttung 50 Prozent (Platz1), 30 Prozent (Platz 2), 20 Prozent (Platz 3). Wir freuen uns bereits jetzt auf Anmeldungen.

Der SBTT – Der SuperBuchTauschTag am 07. Februar

Neu eingetroffen – Danke Gabriele und Burghard

Alles fing mit einem kleinen Buchtauschregal an: Ein kleines Buchregal an unserer Eingangstür, das mit Büchern gefüllt wird. Aus diesem kleinen Regal, das noch immer gern genutzt – und von uns moderiert wird – entstand im Innern ein weiteres Regal. Mittlerweile befinden sich im read!!ing room 4 – 5 Regale voller Bücher (meistens in Doppelreihen). Ein Haufen Belletristik, viele englische Bücher, Bildbände, Reiseführer und auch ein paar Kinderbücher. Die „Österreich-Sektion“ in unserem Sprechzimmer ist mittlerweile auch schon beachtlich – und da wären ja auch noch die Bücher unserer Autor/innen, die auf Abnehmer/innen warten.

Wenn dann noch – wie bei unserem letzten Jour.Fixe – 7 Säcke voller Bücher neu dazu kommen (Kochbücher, Ratgeber, Romane), ja dann wird es Zeit den „SBTT“ auszurufen: den SuperBuchTauschTag. Am 07. Februar ist es soweit. Zwischen 18.00 und 20.00 Uhr öffnen wir die Türen für alle Vielleser/innen, Büchernärrinnen und Buchnarren, Sammler/innen und Bibliomanen. Kaffee und Tee stehen auch bereit. Der „SBTT“ steht unter dem Motto: „Bringe 0 bis 1 Buch und nimm Dir bis zu 10 mit.“ Natürlich freut der read!!ing room sich immer über kleine Spenden – die Bücher wollen ja auch gewartet werden.

Last but not least: Heute liest Horst Dinges Candide von Voltaire – und nimmt den read!!ing room mit ins Zeitalter der Aufklärung. Wir denken: Das wird spannend und ist angesichts der derzeitigen Lage mehr als notwendig!!! Wir freuen uns auf Ihren Besuch. Heute, am SuperBuchTauschTag und zu jeder anderen Veranstaltung.

Programmvorschau 2017: Phantastische Literatur

 

»Vergessene« Schriftsteller und ihre Werke: Phantastische Literatur zwischen „Romantik“ und Expressionismus

Drei Künstler. Zwei davon sind als Maler bekannt, einer als Schriftsteller. Zwei waren eng mit Prag und Wien verbunden, einer von ihnen fand den Tod an der Front. Drei Leben, drei Werke – unmittelbar und mittelbar miteinander verbunden. Neben einer allgemeinen Einleitung, die Meyrink, Sedlacek und Kubin als Maler und Autoren verortet und zueinander in Beziehug setzt, werden Textauszüge aus folgenden Werken präsentiert:

  • Gustav Meyrink: Dr. Haselmeyers weißer Kakadu, 1928    Kurzgeschichte nach dem Bild Bibliothek von Franz Sedlacek, 1926.
  • Franz Sedlacek: Die Stadt, Erzählung, 1930er (?) Erstveröffentlichung 2014
  • Alfred Kubin: Die andere Seite, Roman, 1909

Konzeption und Einrichtung: Peter Miniböck in Zusammenarbeit mit dem read!!ing room. Ein genaues Datum und weitere Details folgen…