„Der kleine Vortrag: Demagog/innen und Populist/innen entzaubern“ am Beispiel HC Strache

„Ich muss mich gleich bei Ihnen entschuldigen und hoffe, dass Sie mich nicht mit Tomaten oder faulen Eiern bewerfen … aber eine Rede von HC Strache bei der deutschen AfD ist mehr als perfektes Anschauungsmaterial…“ So eröffnete Thierry Elsen, im Erwerbsleben als Trainer, Coach und Consultant tätig, seinen „kleinen“ Vortrag zum Thema Demogogie und Populismus.

HC Strache hielt als Vorsitzender der österreichischen FPÖ im Februar 2016 eine Rede in Düsseldorf vor der AfD. Bereits die ersten Minuten seines Vortrags zeigten mehrere Techniken, die Demagog/innen gerne einsetzen und die teilweise bereits in der eristischen Dialektik bei Arthur Schopenhauer zu finden sind.

Begriffsklärung

Bevor einige Stilmittel der Strache-Rede analysiert wurden – dem Publikum wurden lediglich die ersten 5 Minuten des Vortrages zugemutet –  war es dem Vortragenden wichtig, die Begriffe Populismus und Demagogie genauer zu beschreiben. Vor allem der Begriff Populismus sei ja derzeit ungemein populär und auf dem besten Weg ein „Plastikwort“ zu werden, so Elsen in seinen Ausführungen. Doch darin läge schon die erste Gefahr: Begriffe, die sich abnützen, verlieren an Wert und an Schärfe. Für den Vortragenden ist Populismus eine bewusste politische Strategie, sich in sehr vereinfachter Form und mit einer bewussten Simplifizierung politischer Zusammenhänge an Wähler/innen zu wenden. Populist/innen hätten kein eigenes Programm, sie erarbeiteten Ihre Themen immer im Spannungsfeld von „Wir hier unten“ und „Ihr da oben…“.

Der Begriff der Demagogie käme deutlich seltener vor, ziele er doch eher auf rhetorischen Techniken ab, die einzig und alleine dazu dienten politisches Kleingeld zu machen. Die Übersetzung „Volksverführer“ für Demagogen träfe da sehr gut und wäre – wenn auch etwas vereinfachend – ein gutes und weitgehend selbsterklärendes Synonym.

Captatio benevolentiae à la Strache

Straches Rede arbeitete bereits in der Einleitungsphase mit diversen demagogischen Techniken. Dies sei unbestritten. Strache, als geübter Redner, wisse, dass die captatio benevolentiae, also das Erheischen des Publikumswohlwollens , eine wichtige Rolle in seinen Vorträgen spiele. Und so wie heutzutage die meisten Speaker/innen mit einem Witz oder einer Anekdote beginnen, so mischt Strache zwei Elemente. Nach Walter Ötsch, der mit „Haider light“ ein Standardwerk zum Thema Demagogie schrieb, ist es für Demagog/innen sehr wichtig die Welt in „Wir sind die Guten“ und „die anderen sind die Bösen“ aufzuteilen. Strache tut dies indem er „den linken Gegendemonstranten ein herzliches Freundschaft“ zuruft und die Demonstrant/innen als „Orden“ (sic!! er sagt „Orden“ und nicht „Auszeichnung“) für die AfD bezeichnet.  Weiters nutzt er bewusst einen Begriff, der ein charakteristisches Merkmal für eine andere Gruppe ist (in diesem Fall „Freundschaft“ -> Sozialdemokratie / Linke), wertet den Begriff um und setzt ihn als rhetorische Waffe ein. Später steigert er diese Technik, indem er Alexander Solschenyzin und das Archipel Gulag zitiert (argumentum ad verecundiam) und die Gegendemonstant/innen als die „wahren Faschisten“ abqualifiziert. Das Vereinnahmen von Zeichen, Symbolen und Werten von anderen Gruppen ist eine beliebte Technik von Rechtspopulist/innen und Demagog/innen.

Drittens spricht er von „linksextremistischen Chaoten, ja auch Gewalttätern,“ die angeblich Frau Petry nachreisen würden. Dabei ist vollkommen egal, ob die Demonstationen friedlich verlaufen. Es geht einzig und allein darum, den Topos von „wir und die anderen“ zu verstärken. „Wir sind die Opfer und die anderen sind die Täter“ -> Subtext: Opfer müssen sich wehren.

Schmied und Schmiedl

Ein letzter Aspekt ist ungewöhnlich. Strache versucht bei einer Rede in Deutschland vor deutschem Publikum nicht einmal seinen gekünstelten österreichischen Dialekt abzulegen. Er betont ihn sogar, indem er zu Beginn jedes „eu“ als „ei“ ausspricht –  und die Vorsitzende der AfD als „Frau Doktor“ anspricht, was in Deutschland unüblich ist. Strache schmiert der AfD und Petry zwar bewusst Honig ums Maul, aber der konsequente Einsatz von Austriazismen kann durchaus als Indiz dafür gelten, dass Strache deutlich machen wollte, wer der Schmied und wer der Schmiedl im rechtspopulistischen deutschsprachigen Raum sei.

Im Anschluss an den Vortrag verwies Elsen noch auf einige spannende Bücher, die zur Lektüre und zur Reflexion anregen sollten (Ötsch: Haider light, Hofer: Tricks der Politiker etc.).

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