Buchpräsentation: Das Bukranion – eine Niederschrift

„Was lange währt, wird endlich gut!“ Dieser etwas abgelutschte Spruch war  das inoffzielle Motto des Abends.  Das neue Buch von Peter Miniböck trägt den Titel „Das Bukranion“ und erschien im Herbst 2016. Daher freute sich der read!!ing room umso mehr, die Möglichkeit zu haben, das schmucke Werk aus dem Hause „edition libica“ zu präsentieren. Dem festlichen Anlass entsprechend, wurde „Das Bukranion“ vom Autor selbst und der Verlegerin des Buches, Simone Stefanie Klein, präsentiert.

„Was lange währt, wird endlich gut“, gilt insbesondere für das titelgebende Motiv „Das Bukranion“. Das Sujet oder Motiv, das Miniböck für sein neuestes Werk aufgriff, existierte bereits im alten Mesopotamien. Die Abbildung eines Rinderschädels oder Ochsenkopfes mit langen Hörnern wanderte dann ins alte Griechenland und wurde – wie so vieles andere – vom römischen Imperium übernommen. Mit dem Ende Roms verschwand das Bukranion, das sehr oft als Malerei und/oder Fresko in Form einer Girlande von unterschiedlichen Rinderschädeln aufschien. Mit der Renaissance kam der dekorative Ochsenkopf wieder en vogue. Peter Miniböck beschied dem Motiv eine weitere Renaissance.

Eine Reise

„Das Bukranion“ ist in Peter Miniböcks Werk nicht nur eine Metapher, die unterschiedlich befüllt wird, sondern auch der Ausgangspunkt für eine Reise. Durch den Aufbau des Buches in zwei Stränge (Protokolle und Niederschriften) ist man schnell verleitet, das Werk als eine Art kunstvoll gestaltete, archäologische Schnitzeljagd zu etikettieren.

Leser/innen, die sich mit dieser Sichtweise zufrieden geben, werden „Das Bukranion. Eine Niederschrift“ enttäuscht sein. Die Verlegerin des Buches spricht auf der Verlagswebsite von „einer poetischen Gemäldegalerie“, gleichsam von den „Bildern einer Ausstellung“. Ich würde eher von einer Ausstellung von Bildern in Bezug auf „Das Bukranion“ sprechen. Die Beziehungen zur Musik (betreffend Komposition und Aufbau) sind bei Miniböck – nicht nur in „Das Bukranion“ allgegenwärtig … und so ist der Bezug zu Mussorgsky durchaus stimmig.

Um beim Bild zu bleiben: Peter Miniböck eröffnete seinen Vortrag mit einem Zitat aus Robert Musils „Mann ohne Eigenschaften“ und führte gemeinsam mit Simone Klein durch eine Ausstellung seiner Lieblingsbilder mit den Mitteln der Sprache. Der Autor exponiert seine Lieblingssujets – so wie auch in anderen Büchern: Die Stadt, die Katakomben, die Tänzerin etc. Doch Vorsicht: Die Bilder, die der Autor entwirft, sind keine lieblichen Idyllen voll Sonnenschein und Frühlingszauber, sondern die Eingeweide einer nicht näher definierten Stadt. Fantastisches vermischt sich mit Dokumentarischem, Kafkaeskes mit Musilschem. Die Elemente wechseln sich ab und werden palimpsestartig über einen neuen postmodernen Leisten gezogen.

Leser/innen, die sich das Buch aneignen wollen, sei geraten die Lektüre wie einen Spaziergang durch eine Ausstellung zu verstehen: „Das Bukranion“, das im Übrigen hervorragend von Simone Klein ausgestattet wurde, will betrachtet werden (nicht nur von außen) und es will erobert werden. Ganz wie in einer Ausstellung bewegt man sich mal schneller, mal langsamer durch die Räume bis man ergriffen vor einem Bild stehen bleibt…

Buchpräsentation: "Das Bukranion. Eine Niederschrift"

Buchpräsentation: "Das Bukranion. Eine Niederschrift" erschienen in der "edition libica" 2016. Ein wunderschönes Buch in Gestaltung und Inhalt.

Posted by read!!ing room – Verein zur Förderung von Alltagskultur on Samstag, 20. Mai 2017

„Das Bukranion“

edition libica, Wien
ISBN 978-3-903137-04-2
92 Seiten | 14 × 21 cm
Hardcover | Fadenbindung
€ 18,70

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