„Summa in da Stadt“. El Awadalla liest…

Da kennt man sich schon Jahrzehnte und irgendwie ergab sich noch nie die Gelegenheit einer gemeinsam veranstalteten Lesung. Diese Tatsache wurde nun am 13. Juli definitiv korrigiert. El Awadalla las im read!!ing room einen Querschnitt aus ihren aktuellen Büchern und Texten.

El Awadalla mit dem Pickerl „Dialektdichterin“ zu versehen, ist sicherlich zu kurz gegriffen. Aber auch wenn sie in der Hochsprache liest, wird sofort deutlich, dass sie eine Autorin ist, die den Menschen sehr genau zuhört. Aus diesem aktiven und bewussten Zuhören – böse Stimmen würden von Belauschen sprechen – entstanden gleich zwei Bücher:

El Awadalla reiht sich mit diesen Büchern in einer Tradition ein, die in Wien weiland von Max Winter begründet wurde. Der Journalist und Vizebürgermeister der Stadt Wien war bekannt für seine Reportagen, bei denen „die offene oder verdeckte teilnehmende Beobachtung“ im Vordergrund seiner Recherche stand. Diese Art des Beobachtens zeichnet auch El Awadalla aus, die zu unterschiedlichsten Tag und Nachtzeiten etwa das AKH in Wien besuchte, um geeignete Dialoge zu finden.

Flüchtlingstagebuch

Davor las El Awadalla aus ihrem Flüchtlingstagebuch. Sie engagiert sich seit 2015 in diesem Bereich. Ausgangspunkt war der Tod von Flüchtlingen in einem Schlepper-LKW. Bei einem zweiten LKW, den verschiedene Augenzeug*innen – u.a. auch El Awadalla – gesichtet hatten, wurde Schlimmeres verhindert. El Awadalla berichtet ihre Erlebnisse in der Flüchtlingsarbeit ohne Larmoyanz, Moralität und Bitterkeit. Sie erzählt ihre Erlebnisse mit einem Augenzwinkern: etwa über die Tücken der Wohnungssuche, über die Schwierigkeiten der Kommunikation und über die Abenteuer, die man bei Wanderungen erleben kann. Ihr Ton und ihre Sichtweise sind dabei eine willkommene Alternative zu den marktschreierischen Zeitungsdiskursen, an die wir uns alle zu sehr gewöhnt haben.

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