Ich bin ein Satzdieb … Impulslesung V

Stellen Sie sich ein Leben vor in der weibliche Roboter, die auf den wunderbaren Namen TESSA hören, in Dienstmädchenoutfits echte Frauen ersetzen. Ein feuchter Altherrentraum aus der Schmuddelkammer? Abstoßend? Undenkbar? Nun: Für die Autorin Edie Calie sind solche dystopischen Spielereien der Stoff aus dem ihre Kurzgeschichten sind.

Bei der mittlerweile 5. Impulslesung präsentierte Edie Calie, Autorin von unterschiedlichen Büchern, Kurzgeschichten. Die Kurzgeschichten handelten über das Schreiben, über die Liebe und andere gr0ße Themen. Für viele Texte wählte Sie als Rahmen eine Dystopie. Der Aufbau der Geschichte erfolgte oft in Schleifen, was dramaturgisch teilweise zu einer ungeheuren Spannung führte. Dabei präsentierte sich Edie Calie als sehr genaue Beobachterin der Generation Y bis Z. Die Vice-Autorin hat ein gutes Auge und ein noch besseres Gehör – sie schafft es – sehr oft mit dem Mittel des Dialogs in wenigen Zeilen einen Charakter zu umreißen: egal ob es sich um die überfreundliche HR-Dame Beate (der Name ist Programm) mit ihren sinnlosen Personalfragebögen oder um den jungen Benjamin handelt, der den Haushalt schmeißt und seiner Liebsten einen veganen Quinoa-Curry-Auflauf kocht. Für das Rezept bitten wir geneigte Leser*innen sich vertrauensvoll an Frau Calie zu wenden. Ob Frau Calie, ähnlich wie einer ihrer Figuren, die Technik des Satzdiebstahles – sprich das Verarbeiten von aufgeschnappten Sätzen im eigenen Werk – betreibt, soll und kann an dieser Stelle nicht geklärt werden.

Alleine die Art und Weise, wie Edie Calie die Beziehung eines Paares – vom ersten Verliebsein- bis zur Trennung – beschreibt ist beeindruckend. Mit einem simplen Kniff stellt sie die Beziehung, die weitgehend aus der weiblichen Sicht erzählt wird, in einen politischen Kontext. Der Satz „Und die Rechten haben die Wahl gewonnen“, dient nicht nur als harter Schnitt zwischen den einzelnen Sequenzen und „Entwicklungsschritten“ in der Beziehung, sondern stellt einen Rahmen her, der eine vermeintlich private Zweierbeziehung in einen politischen und gesellschaftlichen Kontext stellt… Nach einer halben Stunde Lesezeit hatte Edie Calie bewiesen, dass sie alles andere als eine plumpe Satzdiebin ist und dies wohl auch in Zukunft eher ihren Figuren überlässt.

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