Innenaussenwelten von einer Sphinx

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Simone Stefanie Klein und Karin Gayer mit Märzhasen und Hutmacher

Soviel steht fest. Karin Gayer und Simone Stefanie Klein sind „habituées“ im read!!ing room. So war es nur eine Frage der Zeit, dass beide Autorinnen eine gemeinsame Lesung bestreiten würden. Simone Stefanie Klein begann mit einem Text aus „Das Leben der Sphinx“. Das übergeordnete Thema des ersten Leseblocks waren Selbst- und Welterkenntnis, die Klein in Form einer Parabel bearbeitete. Letztendlich bezweifelte Klein in ihrer Lesung / ihrem Vortrag  die Ist-Gleichung zwischen Erkenntnis und Selbsterkenntnis. Sie hielt ein Plädoyer für die Lust am Rätsel als Aufgabe der Philosophie. Die Leser/innen sollten weniger in Kategorien denken und mehr Lust am Fragenstellen und Rätseln entwickeln … so die eindeutige Botschaft der Autorin und Verlegerin.

Karin Gayer bearbeitete die Themen Selbsterkenntnis und Weltwahrnehmung von einem anderen Blickpunkt aus: Sie wählte eine Art persönliche Poetik als Einstieg in ihre Lesung. Kern ihrer Gedichte seien Figuren, die Welt und Gesellschaft vom Rand aus betrachteten. Nahtlos wechselte sie zu Gedichten wie „Die Unmittelbaren“, „Zur blauen Stunde“ oder  „Die Seelenwüterin“ und „Monolog“. Die Titel lassen bereits erahnen, dass das lyrische Ich von Karin Gayer „nicht immer so funktioniert wie andere sich das vorstellen“. Das Thema Selbstbestimmung zog sich wie ein roter Faden durch die Gedichte. Den ersten Teil des Leseabends schloss die Autorin mit dem titelgebenden Gedicht aus ihrem Lyrikband „Innenaussenwelten“ ab. Dieses Gedicht war wohlgesetzt, da „Innenaussenwelten“ die ganze Dialektik von Selbst- und Fremderkenntnis in einem schönen Wort zusammenfasste.

Widersprüche und Paradoxien

„Innenaussenwelten“ war wie geschaffen für Simone Stefanie Klein, um den zweiten Teil des Abends zu beginnen. Assistiert von ihrem Märzhasen, dem Hutmacher und Alice initiierte sie ein Gespräch über Rätsel und lustige Verse und bot ein Wunderland an Wahrheit(en). „Die grüne Kiste, die rot gestrichen ward“ diente als Ausgangspunkt für einen Exploration von Wahrheit/Erkenntnis mit den Mitteln der Sprache und vor allem des Sprachspiels respektive des Rätsels. Oxymora und andere rhetorische Figuren funktionieren für Klein wie eine Art Sollbruchstelle des Erkenntnisprozesses, entlang derer klassische und herkömmliche Kategorien in Frage gestellt werden können. Der Thematik der Synästhesien räumte Klein ebenfalls einen weiten Raum ein („am Dirigentenpult hören Sie…“).

Karin Gayer griff das Thema Paradox und Widerspruch mit den Mitteln der Lyrik auf. Ihre Gedichte spiegeln die Dichotomie zwischen dem „Ich“ und dem „Du“, ohne jedoch im Widerspruch zu verweilen, da ihr lyrisches Ich im „Sowohl“ als im „Auch“ funktionieren solle. Die Autorin und passionierte Dienstagsschreiberin präsentierte neue und bereits veröffentlichte Gedichte. Der gemeinsame Nenner lag jedoch nicht nur in der Spannung zwischen einem „Ich“ und einem „Du“, sondern auch in den gewählten Metaphern und rhetorischen Figuren (Oxymora und contradictiones in adjecto). So nahm Gayer auch formal über die Gedichte die Ausführungen von Klein auf. Das Weiterführen des Sprachspiels in Gayers Gedichten wurde eine Illustration der philsophischen Ausführungen von Simone Stefanie Klein.

Beide Autor/innen setzten sich auf unterschiedliche Art und Weise mit verschiedenen rhetorischen Mitteln und Textsorten mit großen Themen der Philosophie auseinander und erinnerten vielleicht auch unbewusst daran, dass Paul Feyerabends „Anything goes“ ein sehr spannender Zugang zum Denken sein kann.

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